heimatort. Basel (Morgenstraich)

Wie jedes Jahr ist der „Morgestraich“ um 4 Uhr morgens der Auftakt der Basler Fasnacht. Zugegeben: Wenn um 2.30 Uhr der Wecker klingelt und der Weg um 3 Uhr morgens Richtung Basel führt, fragt man sich schon „warum tue ich mir das an?“. Doch motiviert von den begeisterten Schilderungen unserer Schweizer Kollegen haben wir uns aus dem Bett gequält und sind Richtung Basel gefahren.

Nachdem wir die Schweizer Grenze überquert hatten, vergassen wir angesichts der vielen Menschen schnell, dass es noch mitten in der Nacht war. Mit Trams und Bussen strömten Tausende von Menschen in die Innenstadt, um sich das Spektakel anzusehen. Wir suchten uns schnell einen Platz am Rande der Strecke und schon ging es los. Pünktlich wie ein Schweizer Uhrwerk gingen um 4 Uhr in der Früh fast alle Lichter in Basel aus. Trotz der vielen Menschenmassen legte sich für einen kurzen Moment eine gespenstische Stille über die Stadt und die jungen Zuschauer wurden merklich nervös. Doch dieser Moment hielt nur kurz an, da tönte es „Moorgestraich! Vorwärts marsch“ und die Cliquen setzten sich in Bewegung. Tambouren und Piccolospieler begleiteten den Cliquenzug und die grossen Fasnachtslaternen erhellten die Stadt. Wir bewunderten den bunten Zug bis die letzte Clique an uns vorbeigezogen war. Dann ging es in eine der vielen „Beizen“ (Gaststätte). Diese hatten heute Morgen bereits in den frühen Morgenstunden geöffnet und dienten nun als Zufluchtsort, um sich von der Kälte draussen ein wenig aufzuwärmen. „Mehlsuppe“ hatten unsere Schweizer Kollegen uns empfohlen. Das hörte sich in unseren Ohren nicht sehr lecker an aber es war uns als Basler Spezialität angepriesen worden, die vor allem am Morgenstraich verkauft wird. Also wollten wir sie natürlich unbedingt probieren und wurden überrascht. Sie schmeckte gut, ähnlich wie eine Zwiebelsuppe und wärmte uns schnell auf. Kein Wunder, dass sie am Morgenstraich so beliebt ist. Sie wäre sicherlich auch als Mitternachtssuppe bei Veranstaltungen und Feiern gut geeignet. Daher haben wir uns ein Rezept rausgesucht. Natürlich von Betty Bossi, damit es das originale Schweizer Rezept ist. Ihr findet es unter diesem Link.

Wusstet ihr übrigens, dass:

… es extra für den Morgenstraich einen Schalter gibt. Mit diesem „Morgestraich-Schalter“ können um 4 Uhr morgens rund 3’000 Strassenslaternen mit einem Klick ausgeschaltet werden. Wir hoffen, dass der Verantwortliche nie verschlafen wird. Das ist noch nie passiert. Lediglich 2002 wurde eine Minute zu früh, bereits um 3.59 Uhr geschaltet, weil die Uhr des Verantwortlichen falsch ging. Mehr dieser unterhaltsamen Informationen findet ihr unter diesem Link.

Für uns war der Morgenstraich ein gelungener Auftakt in die Basler Fasnacht. Diese drei Tage werden von den Baslern auch gerne als die „drey scheenschte Dääg“ (drei schönsten Tage) bezeichnet. Lange im Voraus werden die Plaketten für die Fasnacht gekauft, die das Motto der Fasnacht darstellen.

Wusstet ihr übrigens, dass:

…der erste Basler Plakettenkünstler und -produzent ein Deutscher war? Er hiess Wilhelm Dolliger und war Graveur. 1911, als die erste Fasnachtsplakette erschien, wohnte er in Riehen (Schweiz) und war bereits seit 10 Jahren eingebürgert aber seine Wurzeln hatte er in Deutschland. Die diesjährige Plakette stammt von Guido Happle. Ein Bild und weitere Informationen finden sich hier.

Dieses Jahr steht die Fasnacht unter dem Motto „Mer mache dicht“ (Wir machen dicht). Eine Anspielung auf das Ladenschliessen in Basel. Ein ernstes Motto, denn seit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses leidet Basel unter dem Einkaufstourismus ins nahe Ausland (Frankreich und Deutschland), was dazu führte, dass einige Traditionsgeschäften in Basel im vergangenen Jahr „dicht gemacht“ haben. Doch trotz des seriösen „Sujet“ (Thema) lassen sich die Cliquen nicht die lustige Stimmung verderben. Nach dem Motto „Die Läden machen dicht, die Fasnacht noch lange nicht“ geht es für die Feierlustigen mit der Fasnacht heute und am Mittwochmittag jeweils um 13.30 Uhr mit einem „Cortège“ (Fasnachtsumzug) weiter. 465 „Fasnachts-Einheiten“ haben sich beim Fasnachts-Comité angemeldet, um sich bunt und musizierend zu präsentieren.. Von den Wagen werden „Räppli“ (Konfetti) geworfen und hüllen die Strassen in ein farbenfrohes Kleid. Informationen zur Route und Organisation finden sich unter diesem Link.

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